vier Personen - vier Persönlichkeiten
und ein gemeinsamer Familienurlaub
Vier Personen, vier Persönlichkeiten – und ein gemeinsamer Urlaub.
Wir sind als Familie verreist: zwei Erwachsene, zwei Teenager. Also vier Menschen, die alle für sich genommen ziemlich klar wissen, was sie wollen – und die gleichzeitig versuchen, eine gute gemeinsame Zeit zu verbringen.
Eigentlich eine schöne Ausgangslage.
Gut vorbereitet – zumindest dachte ich das
Ich war vorbereitet. Zumindest dachte ich das.
Ich habe mich im Vorfeld bewusst mit mir selbst beschäftigt, war in der Supervision und habe mir eine Art inneren Rahmen gesetzt:
Nicht zu viel erwarten.
Freiraum lassen.
Akzeptieren, dass mein Bild von einem gelungenen Urlaub nicht für alle gilt.
Ich bin mit einer gewissen Klarheit gestartet. Vielleicht auch mit dem Gefühl: Ich habe das ganz gut im Blick.
Und dann kommt die Realität
Und dann kam der Urlaub.
Es gab schöne Momente, wirklich. Leichtigkeit, gemeinsames Lachen, Verbindung. Und gleichzeitig gab es Spannungen. Kleine Reibungen, unausgesprochene Erwartungen, unterschiedliche Bedürfnisse, die sich nicht immer gut zusammenbringen ließen.
Und immer wieder dieser Gedanke bei mir:
„Ist das eigentlich gerade erholsam?“
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich innerlich abwäge, bewerte, vergleiche.
Wie ich mich frage:
Ist das hier das Richtige für uns?
Tut uns diese Zeit gut?
Oder entfernen wir uns eher voneinander?
Es waren keine großen Konflikte. Eher dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas nicht ganz stimmig ist.
Mein Fazit – und das meiner Familie
Der Rückflug war für mich dann vor allem eines: ein Innehalten. Vielleicht auch ein leises Aufatmen.
Wieder mehr Raum für jeden.
Weniger Abstimmung.
Einfach wieder die Möglichkeit, bei sich zu sein.
Und ganz ehrlich:
Mein inneres Fazit war eher verhalten.
Umso überraschter war ich von dem, was danach kam.
Zurück zu Hause, im Alltag – und ich bekomme Umarmungen.
Ich höre Sätze wie:
„Das war ein richtig schöner Urlaub.“
„Wann fahren wir wieder?“
Da war Freude. Leichtigkeit. Positive Erinnerung.
Und ich stand daneben und habe mich gefragt:
Haben wir denselben Urlaub erlebt?
Wenn die eigene Wahrnehmung ins Wanken gerät
Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen.
Als Mediatorin arbeite ich täglich mit Perspektiven. Ich begleite Menschen dabei, ihre eigenen Sichtweisen zu erkennen und die der anderen zu verstehen. Ich weiß, dass es nie nur eine Wahrheit gibt.
Und trotzdem ist mir in diesem sehr persönlichen Kontext etwas aufgefallen:
Ich habe meine eigene Wahrnehmung nicht wirklich hinterfragt.
Ich habe sie als gegeben genommen.
Als „so war es“.
Erst durch die Reaktionen meiner Familie wurde mir bewusst, wie unterschiedlich Realität erlebt werden kann – selbst innerhalb eines so engen Systems.
Perspektivwechsel beginnt bei mir
Und plötzlich verschiebt sich etwas.
Nicht im Außen.
Sondern in mir.
Ich beginne, meine eigene Sicht zu hinterfragen.
Nicht, um sie abzuwerten.
Sondern um sie einzuordnen.
Als eine von mehreren.
Und genau darin liegt für mich eine wichtige Erkenntnis:
Perspektivwechsel ist kein Werkzeug, das man einmal lernt und dann „beherrscht“.
Es ist eine Haltung, die immer wieder neu eingenommen werden muss.
Gerade im Privaten.
Vielleicht sogar besonders dort.
Denn dort sind wir nicht nur Beobachtende oder Begleitende.
Dort sind wir mittendrin.
Mit Erwartungen.
Mit Gefühlen.
Mit eigenen Bildern davon, wie etwas sein sollte.
Was ich aus diesem Urlaub mitnehme
Was ich aus diesem Urlaub mitnehme, ist nicht die Frage, ob er „gut“ oder „schlecht“ war.
Sondern die Erfahrung, wie unterschiedlich Wirklichkeit erlebt werden kann.
Und wie schnell wir dazu neigen, unsere eigene Wahrnehmung für die Realität zu halten.
Ich werde diesen Urlaub weiter reflektieren.
Vielleicht in der Supervision, vielleicht auf andere Weise.
Was ich jetzt schon sagen kann:
Ich habe viel gelernt.
Über Perspektiven.
Über Erwartungen.
Und ein Stück weit auch über mich selbst.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Qualität solcher Erfahrungen:
Nicht, dass sie eindeutig sind.
Sondern dass sie uns herausfordern, genauer hinzuschauen.